Südkurier, 12. September 2000

Eine Legende erwacht zu neuem Leben
William Fife Yacht “Fintra” zur Restauration in Bermatinger Werft

Heruntergekommen, Wind und Wetter ausgesetzt, so stand eine der ästhetischsten Yachten, die in der Sechsmeterklasse je gebaut worden sind, hinter einer IBO-Halle und verrottete langsam, aber scheinbar unaufhaltsam: Eine echte “William Fife Yacht”. Gebaut mit Geschick und vor allem der Intuition, geboren aus der Erfahrung eines ganzen Lebens, das Fife dem Bootsbau verschrieben hat. Dieser Name gilt unter Segelenthusiasten als Synonym für Eleganz und Qualität, für Schönheit und Geschwindigkeit.

1928 hatte die “Fintra” ihren Stapellauf, dies ergaben aufwendige Recherchen des heute stolzen Besitzers. Dann verloren sich die Spuren schnell im Dunkel der Kriegsjahre. Erschütternd sei der Zustand gewesen, in dem der heutige Eigner die Yacht beim ersten Mal gesehen habe. Das Ende eines Mythos? “Die Substanz ist kaputt”, stellte Jürgen Landolt von der gleichnamigen Bootswerft in Bermatingen fest. Inzwischen hat er schon einige der pfeilschnellen Sechsmeteryachten restauriert.
Jede freie Minute wollen der neue Eigner und seine Frau in den nächsten zwei bis drei Jahren in das Boot stecken.

Viele tausend Stunden Arbeit der Fachleute von der Landoltwerft kommen dazu. Die Restauration erfolgt nach Originalplänen, die in Schottland wiedergefunden wurden, um auferstehen zu lassen, was das Herz eines jeden Seglers höher schlagen lässt: “Ich habe eine Idee gekauft und kein Schiff”, so der Eigner. Für die Bermatinger Bootsbauer sei die Aufgabe eine Sternstunde. Wenn dann der Fife-Yachten eigene Drachenkopf am Bug und der Drachenschwanz am Heck als erster über die Ziellinie bei den Weltmeisterschaften fliegt, hat der Eigner seine Träume erfüllt.

Aber bis dahin ist viel Geduld, viel Arbeit und auch Geld notwendig, um die Fintra das Fliegen und die gesamte Regattakonkurrenz das Fürchten zu lehren. Als segelnder Mythos soll das klassische Sechsmeterboot den Bodensee um ein besonderes Exemplar des Yachtbaus bereichern. Dabei hält die Fintra mit einem drei Tonnen schweren Kiel nahezu allen Wellen und Stürmen stand. Wurde sie aufgrund ihres Ballastkiels im Volksmund auch “Bleitransporter” genannt, entwickelt das Boot “bei der Arbeit” in der See eine unbeschreibliche Anmut und Eleganz, so Jürgen Landolt.

70 Prozent des Gesamtgewichts entfällt auf den gewaltigen Kiel, bei lediglich 1,6 Metern Tiefgang. Wie Phönix aus der Asche steht am Ende dann eine segelsportliche Legende, die erneut zum Vormarsch der wiederentdeckten Sechsmeterklasse beitragen wird.

Siegfried Amann